16. Januar 2023

Gendern? Nein Danke! Regeln der deutschen Sprache einhalten ‐ keine politisch motivierte Verfremdung der Sprache

Antrag vom 16. Janu­ar 2023
Druck­sa­che 8/2125

Frak­ti­on AfD

Gendern? Nein Danke! Regeln der deutschen Sprache einhalten – keine politisch motivierte Verfremdung der Sprache

Der Landtag möge beschließen:

 

I.  Der Land­tag stellt fest:

 

  1. Eine deut­li­che Mehr­heit von etwa zwei Drit­teln der Bevöl­ke­rung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land lehnt die Ein­füh­rung einer soge­nann­ten Gen­der­spra­che ab, wie ver­schie­de­ne Umfra­gen bestätigen.

 

  1. Die Ver­wen­dung der soge­nann­ten Gen­der­spra­che ist Aus­druck einer ideo­lo­gi­schen Auf­fas­sung, die das bio­lo­gi­sche Geschlech­ter­sys­tem von Män­nern und Frau­en infra­ge stellt.

 

  1. Spra­che ist eines der wich­tigs­ten Aus­drucks­mit­tel, sie ver­bin­det und prägt die Kul­tur. Sie muss in allen Berei­chen der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­heit­lich, rechts­si­cher, gram­ma­ti­ka­lisch und ortho­gra­phisch ein­deu­tig und unbe­ein­flusst von gesell­schaft­li­chen Strö­mun­gen sein und sich im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes bewe­gen. Dies schließt alle öffent­li­chen Berei­che, ins­be­son­de­re die öffent­li­che Ver­wal­tung, aber auch die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en ein.

 

  1. Ver­än­de­run­gen der Spra­che set­zen sich dann durch, wenn sie von der über­wie­gen­den Mehr­heit ihrer Spre­cher all­ge­mein ver­stan­den und akzep­tiert wer­den. Davon kann ange­sichts der feh­len­den Akzep­tanz der Gen­der­spra­che in der Bevöl­ke­rung jedoch kei­ne Rede sein. Ver­ant­wort­lich für die Bewah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­schrei­bung im deut­schen Sprach­raum sowie für die Wei­ter­ent­wick­lung der Recht­schrei­bung auf der Grund­la­ge des ortho­gra­phi­schen Regel­werks ist aus­schließ­lich der Rat für deut­sche Recht­schrei­bung und nicht das ver­meint­lich oppor­tu­ne Han­deln einer dem „Gen­der-Main­strea­ming“ ver­pflich­te­ten poli­ti­schen Bewegung.

 

  1. Alle Men­schen sol­len ent­spre­chend ihrem Geschlecht ange­spro­chen wer­den. Hier­bei han­delt es sich um eine gesell­schaft­li­che und gesell­schafts­po­li­ti­sche Auf­ga­be, die nicht durch ver­ord­ne­te und in der Bevöl­ke­rung nicht akzep­tier­te Abwei­chun­gen von ortho­gra­phi­schen Regeln erzwun­gen wer­den kann.

 

  1. Mit ihrer Viel­falt und Klar­heit bie­tet die deut­sche Spra­che viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, adres­sa­ten­ge­recht, geschlech­ter­spe­zi­fisch und dis­kri­mi­nie­rungs­frei öffent­lich zu kom­mu­ni­zie­ren, ohne das Grund­recht auf Gleich­be­rech­ti­gung sowie das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot aus Arti­kel 3 des Grund­ge­set­zes und Arti­kel 7 der Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt in Fra­ge zu stellen.

 

II.  Der Land­tag bit­tet den Land­tags­prä­si­den­ten, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass in der par­la­men­ta­ri­schen Doku­men­ta­ti­on des Land­ta­ges, in sei­nem inter­nen und exter­nen Schrift­ver­kehr, in sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen und Publi­ka­tio­nen sowie sei­ner Öffent­lich­keits­ar­beit, ein­schließ­lich des Besu­cher­diens­tes, kei­ne gram­ma­ti­ka­lisch fal­sche Gen­der­spra­che ver­wen­det wird. Der Land­tag bekennt sich statt­des­sen zur Anwen­dung der deut­schen Gram­ma­tik und amt­li­chen deut­schen Recht­schrei­bung auf der Grund­la­ge des Regel­werks „Deut­sche Recht­schrei­bung, Regeln und Wör­ter­ver­zeich­nis“. In sei­ner Funk­ti­on als Ver­fas­sungs­or­gan sowie als Bildungs‑, Ver­an­stal­tungs- und Begeg­nungs­stät­te unter­stützt der Land­tag einen ent­spann­te­ren Umgang mit der deut­schen Spra­che, ein­schließ­lich der Ver­wen­dung des gene­ri­schen Maskulinums.

 

III.  Die Lan­des­re­gie­rung wird aufgefordert,

  1. in der Lan­des­re­gie­rung und den ihr nach­ge­ord­ne­ten Behör­den sowie allen übri­gen staat­li­chen Ein­rich­tun­gen sowohl in der inter­nen als auch exter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on kei­ne soge­nann­te Gen­der­spra­che zu ver­wen­den und sich aus­schließ­lich an die den Vor­ga­ben des Rats für deut­sche Recht­schrei­bung ent­spre­chen­de Schreib­wei­se auf der Grund­la­ge des Regel­werks „Deut­sche Recht­schrei­bung, Regeln und Wör­ter­ver­zeich­nis“ zu halten;

 

  1. in schu­li­schen Ein­rich­tun­gen einen ein­heit­li­chen Sprach­ge­brauch auf der Grund­la­ge des amt­li­chen Regel­werks der deut­schen Recht­schrei­bung ohne Anwen­dung der soge­nann­ten Gen­der­spra­che kon­se­quent umzu­set­zen und dafür Sor­ge zu tra­gen, dass an Hoch­schu­len, Schu­len und sons­ti­gen staat­li­chen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen Prü­fungs­leis­tun­gen nicht schlech­ter bewer­tet wer­den, wenn sie ent­spre­chend dem amt­li­chen Regel­werk der deut­schen Recht­schrei­bung ver­fasst werden;

 

  1. sich dafür ein­zu­set­zen, dass an Hoch­schu­len, Ein­rich­tun­gen der Rechts­pfle­ge sowie des öffent­lich-recht­li­chen Rund­funks auf der Grund­la­ge der deut­schen Gram­ma­tik und amt­li­chen deut­schen Recht­schrei­bung ent­spre­chend den Vor­ga­ben des Regel­werks „Deut­sche Recht­schrei­bung, Regeln und Wör­ter­ver­zeich­nis“ kom­mu­ni­ziert wird und auf eine Anwen­dung der soge­nann­ten Gen­der­spra­che ver­zich­tet wird;

 

  1. sich zur deut­schen Spra­che als wesent­li­chem Pfei­ler der Demo­kra­tie und unab­ding­ba­rem Bestand­teil der kul­tu­rel­len Iden­ti­tät der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und des Lan­des Sach­sen-Anhalt zu beken­nen und ihrer Pfle­ge und ihrem Erhalt eine beson­de­re Ver­pflich­tung beizumessen.

 

Begrün­dung

 Spra­che wird von Men­schen gelebt. Sie ent­wi­ckelt sich aus dem Leben und ver­än­dert sich fort­wäh­rend. Gesell­schaft­li­cher Wan­del, gene­ra­ti­ons­spe­zi­fi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, wis­sen­schaft­li­che, tech­ni­sche und glo­ba­le Ent­wick­lun­gen machen die­sen stän­di­gen Ver­än­de­rungs­pro­zess erfor­der­lich. Ver­än­de­run­gen set­zen sich aber nur durch, wenn sie von der über­wie­gen­den Mehr­heit ihrer Spre­cher auch all­ge­mein ver­stan­den und akzep­tiert werden.

 

Für Ver­än­de­run­gen der deut­schen Spra­che im Sin­ne der soge­nann­ten Gen­der­spra­che exis­tiert die­se Mehr­heit nicht, wie ver­schie­de­ne Umfra­gen bele­gen. Fast zwei Drit­tel der deut­schen Bevöl­ke­rung, also ein deut­lich gro­ßer Teil der Men­schen, leh­nen einen Gen­der-Zwang ab. Poli­tik muss die­ses ein­deu­ti­ge Votum in ihrem Han­deln berücksichtigen.

 

Auch das für die Bewah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­schrei­bung im deut­schen Sprach­raum sowie für die Wei­ter­ent­wick­lung der Recht­schrei­bung auf der Grund­la­ge des ortho­gra­phi­schen Regel­werks ver­ant­wort­li­che zwi­schen­staat­li­che Gre­mi­um des Rats für deut­sche Recht­schrei­bung spricht sich gegen die Anwen­dung der soge­nann­ten Gen­der­spra­che aus, weil Tex­te nicht nur sach­lich kor­rekt und ver­ständ­lich, son­dern auch les­bar, vor­les­bar und erlern­bar sein soll­ten. Fer­ner soll­ten Men­schen durch ver­wir­ren­de Ände­run­gen der deut­schen Spra­che, wie im Fall der soge­nann­ten Gen­der­spra­che, aber auch nicht aus­ge­grenzt wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Rat die Auf­nah­me von Aste­risk („Gen­der-Stern“), Unter­strich („Gen­der-Gap“), Dop­pel­punkt oder ande­ren ver­kürz­ten For­men zur Kenn­zeich­nung mehr­ge­schlecht­li­cher Bezeich­nun­gen im Wort­in­nern in das Amt­li­che Regel­werk der deut­schen Recht­schrei­bung nicht empfohlen.

 

Auch im Land Sach­sen-Anhalt sol­len die Emp­feh­lun­gen des Rats für deut­sche Recht­schrei­bung kon­se­quent umge­setzt wer­den, weil Spra­che einen und zusam­men­füh­ren und nicht aus­schlie­ßen soll. Leben­di­ge Spra­che zeich­net sich durch Ver­ständ­lich­keit, Pra­xis­taug­lich­keit in der Anwen­dung sowie einer gesell­schaft­li­chen Akzep­tanz ihrer Regeln aus. Dem­ge­gen­über spal­tet ein von der Poli­tik ver­ord­ne­ter Zwang zum Gen­dern, erschwert die Ver­ständ­lich­keit und führt daher auch zu kul­tu­rel­len Kon­flik­ten. Die Anwen­dung von Gen­der­spra­che ent­spricht auch nicht dem Grund­recht auf Gleich­be­rech­ti­gung bezie­hungs­wei­se dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot aus Arti­kel 3 des Grund­ge­set­zes und Arti­kel 7 der Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt, da sie weder eint noch zusam­men­führt, son­dern im Gegen­teil ausschließt.

 

Fer­ner wer­den mit dem Zwang zur gegen­der­ten Spra­che rund sechs Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land aus­ge­grenzt, die nicht rich­tig lesen und/oder schrei­ben kön­nen. Schließ­lich wirkt die­ser Zwang aus­gren­zend für inte­gra­ti­ons­wil­li­ge Migran­ten und er behin­dert die not­wen­di­ge Inklu­si­on von Men­schen mit Seh- oder Hör­be­hin­de­rung sowie alle, die auf „Leich­te Spra­che” ange­wie­sen sind.

 

Ulrich Sieg­mund

Frak­ti­ons­vor­sitz

 

Antrag als PDF-Datei

https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d2125aan.pdf

Behand­lung im Landtag