24. Dezember 2025

Nur noch die Orthodoxie kann uns retten!

Nur noch die Orthodoxie kann uns retten!

„Nur ein Gott kann uns noch ret­ten“, bekann­te Heid­eg­ger 1966 in einem erst zehn Jah­re spä­ter post­hum ver­öf­fent­lich­ten Inter­view mit Rudolf Aug­stein. Haupt­the­ma des Inter­views war Heid­eg­gers Ver­stri­ckung in den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Der unbe­stimm­te Arti­kel irri­tiert, so als kön­ne man zurück­fra­gen „Wel­cher Gott denn?“ Zöger­lich und gleich­sam agnos­tisch scheint dar­in doch die Ahnung des gro­ßen Phi­lo­so­phen ange­deu­tet, dass die Phi­lo­so­phie allein das Leben und erst recht das poli­ti­sche nicht vor Irr­we­gen bewah­ren kön­ne. Ange­sichts der Ein­ge­schränkt­heit des mensch­li­chen Hori­zonts und ange­sichts der Ver­ir­run­gen des 20. Jahr­hun­derts drängt sich die Ein­sicht auf, dass wir auf unse­ren Wegen Ori­en­tie­rung von dort­her brau­chen, wo alle Ein­schrän­kun­gen auf­ge­ho­ben sind, alles über­blickt wird und alles in sei­nem letz­ten Grun­de ruht. Und ange­sichts der man­nig­fa­chen Halt­lo­sig­kei­ten und Irr­we­gen unse­rer eige­nen Zeit wird das Drän­gen die­ser Ein­sicht gewiss nicht schwächer.

Es ver­steht sich von selbst, dass für uns Euro­pä­er und Deut­sche nur der christ­li­che Gott und die christ­li­che Tra­di­ti­on in Fra­ge kom­men. Das Pro­blem des christ­li­chen Anspruchs auf welt­um­span­nen­de Uni­ver­sa­li­tät und Mis­sio­nie­rung wol­len wir bei­sei­te­las­sen, denn es geht uns um unser Ver­hält­nis zum Chris­ten­tum, nicht um das Ver­hält­nis des Chris­ten­tums zur gan­zen Welt. Zwar mag der Gläu­bi­ge ein­wen­den, wer den Mis­si­ons­an­spruch nicht für alle Welt gel­ten las­se, der kön­ne auch auf sei­nem Fleck­chen Erde kein rech­ter Christ sein, jedoch ist die Per­spek­ti­ve die­ser Zei­len schlicht eine ande­re, und zwar die Per­spek­ti­ve einer vor­sich­ti­gen, von der Poli­tik aus­ge­hen­den, ers­ten Annä­he­rung an den Glau­ben. Wir fra­gen, ob das Chris­ten­tum uns selbst als deut­schen und euro­päi­schen Men­schen Ori­en­tie­rung spen­den kön­ne, und woher sie der Inder und Chi­ne­se nimmt, sei dahingestellt.

Seit der Chris­tia­ni­sie­rung Euro­pas wäh­rend der ers­ten nach­christ­li­chen Jahr­hun­der­te herrscht in Euro­pa das Chris­ten­tum. Ange­sichts der fun­die­ren­den Bedeu­tung des anti­ken Grie­chen­lands für die euro­päi­sche Kul­tur erscheint sodann die inni­ge Ver­bin­dung von Grie­chen­tum und Urchris­ten­tum in den Gemein­den Klein­asi­ens und durch die spä­te­re geis­ti­ge wech­sel­sei­ti­ge Durch­drin­gung wie eine Prä­fi­gu­ra­ti­on der spä­te­ren Chris­tia­ni­sie­rung Euro­pas, die so nichts Zufäl­li­ges an sich hat, son­dern als Aus­druck rei­ner Wesens­not­wen­dig­keit ver­stan­den wer­den muss. Der Islam wie­der­um ist nicht nur auf­grund mili­tä­ri­scher Unter­le­gen­heit an der Aus­brei­tung nach Euro­pa hin­ein geschei­tert, er muss­te dar­an schei­tern, weil sein Wesen dem euro­pä­isch-grie­chi­schen Wesen zutiefst fremd ist. Selbst die viel zitier­te Aris­to­te­les-Rezep­ti­on isla­misch-ara­bi­scher Phi­lo­so­phen wie Ibn Sina (Avicen­na) und Ibn Rusd (Aver­roes) ist kein Argu­ment gegen, son­dern nur noch ein wei­te­res Argu­ment für die Fremd­heit des Islams, hat die Phi­lo­so­phie im Islam doch eine völ­lig ande­re Stel­lung und ein ande­res Ver­hält­nis zur Theo­lo­gie als im christ­li­chen Euro­pa, so denn bezüg­lich des Islams mit sei­ner völ­lig ande­ren Ein­tei­lung des Wis­sens über­haupt von „Theo­lo­gie“ und „Phi­lo­so­phie“ gespro­chen wer­den kann.

Reli­giö­se Ori­en­tie­rung kommt für uns also nur vom Chris­ten­tum. Aber wel­che Kir­che soll sie uns bie­ten? Ein Chris­ten­tum ohne Kir­che, ohne im Glau­ben geein­te Gemein­schaft, ist nichts. Zumin­dest wäre es eine Ange­le­gen­heit sub­jek­ti­ver Über­zeu­gun­gen ohne jede sozia­le Wir­kung, die ganz im forum inter­num ver­blie­be und dem poli­ti­schen Han­deln so kaum letz­ten Rück­halt bie­ten könn­te. Die bei­den gro­ßen Kir­chen, in die sich seit der Refor­ma­ti­on das deut­sche Chris­ten­tum teilt, aber kom­men dafür nicht nur nicht mehr in Fra­ge, ein sol­cher Ver­such muss sich mitt­ler­wei­le sogar offen­siv gegen die­se „Kir­chen“ richten.

Die sog. Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz und die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land (EKD) sind selbst vom Ver­fall Deutsch­lands und Euro­pas erfasst. Er zeich­net sich an ihnen sogar deut­li­cher ab als anders­wo. Nicht nur wer­den offen­sicht­li­che Ver­stö­ße gegen gött­li­che Gebo­te und gött­li­che Ord­nung zu schwach geta­delt oder gar hin­ge­nom­men, was immer noch Zei­chen einer Lax­heit wäre, die sich durch Stren­ge und Anstren­gung hei­len lie­ße; die EKD und die Bischof­kon­fe­renz geben die Sün­de als Recht­lei­tung aus und die Recht­lei­tung als Sün­de, lei­den also nicht an Schwä­che, son­dern an Per­ver­si­on – ein Übel, dem nicht durch Anstren­gung, son­dern nur durch Umkehr, nicht durch Stren­ge, son­dern nur durch Rück­be­sin­nung abge­hol­fen wer­den könn­te. Wenn die Kir­chen­steu­er­kir­chen Schwä­che zei­gen, ist das des­halb sogar begrü­ßens­wert, denn es ist bes­ser, die Per­ver­si­on tre­te schwäch­lich auf als stark. Weder die Bereit­schaft noch die Fähig­keit zu Umkehr und Rück­be­sin­nung sind in den bei­den Kir­chen­steu­er­kir­chen erkenn­bar, son­dern seit Jah­ren und Jahr­zehn­ten nur eine ste­te Ver­tie­fung der Per­ver­si­on und ein ste­tes Vor­an­schrei­ten in die Ver­keh­rung aller Din­ge. Ich grei­fe nach Art eines Über­blicks das Offen­sicht­lichs­te heraus.

- Ange­sichts der Ein­deu­tig­keit, mit der die Fami­lie aus Mann und Frau, aus der Kin­der her­vor­ge­hen, sowohl im Alten als auch im Neu­en Tes­ta­ment wie auch in aller christ­li­chen Tra­di­ti­on als die Lebens­form des Men­schen erscheint, die Got­tes Schöp­fungs­wil­len ent­spricht, soll­te jede christ­li­che Kir­che sich ohne Wenn und Aber zu die­ser Fami­lie als nor­ma­ti­ver Nor­ma­li­tät beken­nen. Die EKD und die Bischof­kon­fe­renz aber beken­nen sich nicht mehr nur nicht in der gebo­te­nen Selbst­ver­ständ­lich­keit zur Fami­lie aus Mann und Frau. Die EKD begrüßt aus­drück­lich die „Ehe für alle“, die nichts ande­res ist als ein Angriff auf die Exklu­si­vi­tät der Ehe gegen­über allen ande­ren For­men des Zusam­men­le­bens, eine Ent­wer­tung der Ehe, die gleich gül­tig neben allen erdenk­li­chen Sexu­al­ge­mein­schaf­ten gestellt wird. Die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz hat zwar 2017 die „Ehe für alle“ noch klar kri­ti­siert, schon 2024 aber zeigt sie sich nach­gie­bi­ger und erklärt: „Her­aus­for­dernd für das christ­li­che Ver­ständ­nis von Ehe und Fami­lie gestal­ten sich bestimm­te gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen, wie die Öff­nung der Ehe für gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re.“[1] Eine Her­aus­for­de­rung ist etwas, was man annimmt und meis­tert. Es ist also kei­ne Fra­ge, ob die katho­li­sche Kir­che die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe annimmt, son­dern nur wann und mit wel­cher Begrün­dung. Jetzt schon seg­net die katho­li­sche Kir­che trotz päpst­li­chen Tadels homo­se­xu­el­le Paa­re und ver­spot­tet damit den gött­li­chen Segen.[2]

- Das sog. Gen­dern, irre­füh­rend als „geschlech­ter­ge­rech­te Spra­che“ umschrie­ben, ist nichts ande­res als der Ver­such, den Unter­schied zwi­schen den Geschlech­tern in der Spra­che auf­zu­he­ben, um so letzt­lich eine Auf­he­bung der Zwei­ge­schlecht­lich­keit in der Gesell­schaft zu errei­chen. Ist die Spra­che Aus­druck gesell­schaft­li­cher Nor­men, so soll sie im Gen­dern in einer mani­pu­la­ti­ven Wen­dung zum Instru­ment und Hebel zur Ver­än­de­rung die­ser Nor­men wer­den. Sie soll das, wovon sie Aus­druck ist, defor­mie­ren. Das Gen­dern zielt auch und gera­de in sei­nen unauf­fäl­ligs­ten For­men direkt auf die durch Gott im Akt der Schöp­fung gesetz­te Zwei­ge­schlecht­lich­keit des Men­schen. Indem die EKD sich offen zur „geschlech­ter­ge­rech­ten Spra­che“ bekennt, stellt sie sich gegen Gott und betei­ligt sich am Ver­such, einen neu­en Men­schen zu schaf­fen, der sich in lee­rer Selbst­ver­göt­zung von Gott abwen­det und meint, nicht mehr an das gott­ge­ge­be­ne Geschlecht gebun­den zu sein. Nicht min­der deut­lich bekennt die katho­li­sche Kir­che sich in einer Bro­schü­re der bischöf­li­chen Kom­mis­si­on für Erzie­hung und Schu­le im Namen der Gerech­tig­keit zur „geschlech­ter­ge­rech­ten Spra­che“.[3]  Die deut­schen Bischö­fe kri­ti­sie­ren dar­in, dass das „sta­tis­ti­sche Fak­tum“, wonach die weit­aus meis­ten Men­schen hete­ro­se­xu­ell sind, „ohne Wei­te­res als nor­ma­ti­ves Leit­bild für die ‚rich­ti­ge‘ sexu­el­le Ori­en­tie­rung oder die ‚rich­ti­ge‘ geschlecht­li­che Iden­ti­tät aus­ge­wie­sen wird“ und sehen dar­in sogar eine Form der „Dis­kri­mi­nie­rung“. Dabei müss­ten sie ent­spre­chend dem Zeug­nis der Bibel die­se Vor­aus­set­zung von Nor­ma­li­tät als Aus­druck der Got­tes­eben­bild­lich­keit des Men­schen, der als Mann und Frau erschaf­fen wur­de, gutheißen.

- Abtrei­bung ist die durch nichts zu recht­fer­ti­gen­de Tötung des unge­bo­re­nen Lebens, die aber heu­te durch die nich­tigs­ten Grün­de gerecht­fer­tigt wird, ja fak­tisch frei­ge­stellt ist. Wäh­rend die katho­li­sche Kir­che an der aktu­ell gel­ten­den gesetz­li­chen Rege­lung, die auf einer wei­test­ge­hend fol­gen­lo­sen Fest­stel­lung der Straf­bar­keit des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs beruht, fest­hält und den Schwan­ger­schafts­ab­bruch zumin­dest sym­bo­lisch ver­ur­teilt wis­sen will, strebt die Evan­ge­li­sche Kir­che eine Rege­lung „außer­halb des Straf­rechts“[4] an. Eine aus christ­li­chem Lebens­schutz gebo­te­ne Ver­schär­fung der aktu­el­len Rege­lun­gen aber for­dert kei­ne der bei­den Kirchen.

- Noch gleich­gül­ti­ger als die Kir­chen dem unge­bo­re­nen Leben gegen­über­ste­hen, ste­hen sie den Völ­kern gegen­über. Der Turm­bau zu Babel erklärt die Viel­falt der Völ­ker zwar als Stra­fe für eine got­tes­läs­ter­li­che Ver­ei­ni­gung aller Men­schen, erkennt die­se Viel­falt damit aber zugleich an. Die Viel­falt der Völ­ker ist eine exis­ten­ti­el­le Stra­fe ver­gleich­bar der Geburt unter Schmer­zen und damit untrenn­ba­rer Teil der con­di­tio huma­na. Der Mensch an sich exis­tiert nur im Para­dies und im Him­mel. Auf Erden aber ist der Mensch immer nur als Ange­hö­ri­ger eines Vol­kes gege­ben, wes­halb der Mis­si­ons­be­fehl sich auch auf „alle Völ­ker“ und nicht auf ein­zel­ne Men­schen bezieht. Jeder Mensch hat ein Vater­land und eine Mut­ter­spra­che. Die Bischofs­kon­fe­renz und die EKD aber ver­dam­men jedes Bekennt­nis zu den Völ­kern und jede Kri­tik am got­tes­läs­ter­li­chen Glo­ba­lis­mus als „völ­ki­schen Nationalismus“.

- Das mag schon genü­gen, um zu zei­gen, dass die bei­den Kir­chen­steu­er­kir­chen nicht mehr einer gött­li­chen, son­dern einer gegen­gött­li­chen Macht ver­pflich­tet sind. Doch um das Maß voll zu machen, demons­triert die Kir­che ihre gan­ze Teu­fels­er­ge­ben­heit, indem sie sei­ne Exis­tenz leug­net. Wie der fran­zö­si­sche Dich­ter Bau­de­lai­re tref­fend for­mu­liert hat, besteht der bes­te Trick des Teu­fels dar­in, einen glau­ben zu machen, er exis­tie­re nicht. So kann er sich unge­stört aus­wir­ken und aus­brei­ten. Die EKD hat den Glau­ben an den Teu­fel offi­zi­ell für obso­let erklärt.[5] Wäh­rend die katho­li­sche Kir­che in hoch­of­fi­zi­el­len Tex­ten noch an sei­ner Exis­tenz fest­hält, meh­ren sich Stim­men, die ihn als eine „Erklä­rung für das Böse“ weg­er­klä­ren wol­len.[6]

- All die­se Moti­ve: die Rela­ti­vie­rung der Ehe, die Auf­he­bung der Zwei­ge­schlecht­lich­keit, die Hin­nah­me der mas­sen­wei­sen Tötung des unge­bo­re­nen Lebens, die Auf­he­bung der Völ­ker in einer baby­lo­ni­schen Mensch­heits-Allein­heit und die Leug­nung der Exis­tenz des Teu­fels ver­dich­ten sich in der Regen­bo­gen­fah­ne als dem Sym­bol die­ser Per­ver­sio­nen. Und die Regen­bo­gen­fah­ne gehört mitt­ler­wei­le zum Stan­dard­in­ven­tar der Kir­chen­steu­er­kir­chen. Die katho­li­schen Kir­chen in Deutsch­land his­sen die Regen­bo­gen­flag­ge unter ande­rem expli­zit als Pro­test gegen das vati­ka­ni­sche Ver­bot der Seg­nung von Homo­se­xu­el­len.[7] In der Evan­ge­li­schen Kir­che ist eine sol­che Beflag­gung zwar ver­bo­ten, weil ange­sichts der Kor­rum­pie­rung der evan­ge­li­schen Kir­chen durch den Natio­nal­so­zia­lis­mus ein Kir­chen­ge­setz von 1947 jede Art der Beflag­gung außer mit Kreuz­fah­nen unter­sagt. Aller­dings beher­zigt schon lan­ge nie­mand mehr die­se Regel, wes­halb sie nun auch auf­ge­ho­ben wer­den soll.[8] Um die Per­ver­si­on zu voll­enden, soll das Ver­bot aber nur zuguns­ten der Regen­bo­gen­flag­ge, nicht zuguns­ten der Deutsch­land­fah­ne auf­ge­ho­ben wer­den.[9]

Die Kir­che, die dem sata­ni­schen Regen­bo­gen­im­pe­ri­um Wider­stand leis­ten soll­te, fun­giert als sei­ne Avant­gar­de. Dass die EKD ganz und gar der Sün­de ver­fal­len ist und von sata­ni­schen Mäch­ten beherrscht wird, bedarf kei­nes Bewei­ses mehr. Zwar hal­ten sich in der katho­li­schen Kir­che noch star­ke Nes­ter des Wider­stan­des wie etwa die ehr­wür­di­ge Pius­bru­der­schaft, aber die­se Krei­se sind zumin­dest in Deutsch­land in der Min­der­heit und in ste­tem Rück­zug begrif­fen. Wer Hil­fe von der katho­li­schen Kir­che erhoff­te, müss­te ihr zuerst selbst hel­fen. Wäh­rend die evan­ge­li­sche Kir­che so ver­dor­ben ist, dass sie nicht mehr erret­tet wer­den kann, muss die katho­li­sche Kir­che selbst erret­tet wer­den, kann also bei der Erret­tung unse­res Vater­lan­des nicht helfen.

Es gibt aber einen gro­ßen Strom der christ­li­chen Tra­di­ti­on und einen star­ken Zweig der Chris­ten­heit, der von die­sem Ver­fall nicht betrof­fen ist. In die­sen Kir­chen sind Regen­bo­gen­fah­nen undenk­bar. Wür­de sie jemand his­sen, wür­den sich sofort beherz­te Gläu­bi­gen fin­den, die sie her­un­ter­rei­ßen. Dort wird die Fami­lie gehei­ligt, die Zwei­ge­schlecht­lich­keit des Men­schen frag­los vor­aus­ge­setzt, die eige­ne Nati­on geehrt, der Teu­fel bekämpft, dort wer­den die Hei­li­gen ver­ehrt und dort wird Gott die Ehre erwie­sen. Ich mei­ne die Ortho­do­xie, also die auf die byzan­ti­ni­sche Kir­che zurück­ge­hen­den Natio­nal­kir­chen des Ostens. Wie durch ein Wun­der sind die­se Kir­chen frei von allen Ver­falls­er­schei­nun­gen, die wir in der katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­che finden.

Dies betrifft nicht nur die Kir­chen, son­dern auch ihre Völ­ker. Die Bul­ga­ren, die Ser­ben, die Rumä­nen, die Geor­gi­er, die Rus­sen und die Weiß­rus­sen, sie alle sind anders als die Völ­ker des Wes­tens frei von Ein­flüs­sen des Regen­bo­gen­kults. Wenn sich der Regen­bo­gen­kult in die­sen Län­dern zeigt, dann wird er aus dem Wes­ten finan­ziert und trifft auf mas­si­ven Wider­stand. Man sagt, der Fisch stinkt vom Kop­fe her. Unser Euro­pa aber stinkt vom Wes­ten her. Es scheint müßig zu fra­gen, ob die star­ken öst­li­chen Natio­nen die Ortho­do­xie vor dem Ver­fall bewahrt haben oder ob die ortho­do­xen Kir­chen die Natio­nen vor dem Ver­fall geschützt haben. Natio­nal­kul­tur und Kir­che schei­nen sich gera­de in ihrer inni­gen Ein­heit unter­stützt und gestärkt zu haben.

Mög­li­cher­wei­se liegt eine Ursa­che der ortho­do­xen Wider­stän­dig­keit dar­in, dass nach dem Schis­ma von 1054 die West­kir­che mit dem Papst ein zen­tra­les Welt­ober­haupt behielt, wäh­rend die Ost­kir­che, nur Chris­tus selbst als Ober­haupt aner­ken­nend, sich in vie­len gleich­ran­gig neben­ein­an­der­ste­hen­den Natio­nal­kir­chen orga­ni­sier­te. Ver­bun­den durch die eine christ­li­che Bot­schaft und die bibli­sche Tra­di­ti­on, hat sich das Chris­ten­tum in der Ortho­do­xie so sehr der jewei­li­gen Natio­nal­kul­tur anver­wan­delt wie in kei­ner ande­ren Glau­bens­rich­tung. Die grie­chi­sche Tra­di­ti­on hat für die ortho­do­xe Kir­che zwar eine gewis­se Bedeu­tung, das Grie­chi­sche aber ist kei­ne Kir­chen- und Lit­ur­gie­spra­che ana­log dem Latein der katho­li­schen Kir­che. Nach ortho­do­xer Leh­re wird in jeder Kir­che als Natio­nal­kir­che die Volks­spra­che gespro­chen und soll jedes Volk eine Lit­ur­gie in sei­ner Spra­che ent­wi­ckeln. Jede Spra­che ist gött­lich und soll in einer eige­nen Lit­ur­gie zu hei­li­ger Ver­voll­komm­nung fin­den. So bil­de­te sich in Syn­the­se mit dem Glau­ben eine Natio­nal­iden­ti­tät, die fest gegrün­det und eben dadurch vor einem Abglei­ten in Natio­nal­wahn und Fana­tis­mus gefeit ist.

Man besu­che nur ein­mal einen rumä­nisch- oder ser­bisch- oder rus­sisch- oder irgend­ei­nen ande­ren ortho­do­xen Got­tes­dienst, um zu erfah­ren, wie stark und fried­lich zugleich Rumä­nen­tum, Ser­ben­tum oder Rus­sen­tum mit dem Glau­ben ver­bun­den sind. Durch die natio­na­le Rela­ti­vie­rung des katho­li­schen Uni­ver­sa­lis­mus schei­nen die ortho­do­xen Kir­chen gegen die Aus­brei­tung jener Fehl­ent­wick­lun­gen immun gewor­den zu sein, wie sie heu­te durch die Regen­bo­gen­fah­ne sym­bo­li­siert wer­den. Glau­be und Nati­on stär­ken sich gegen­sei­tig. Eine im Glau­ben ver­an­ker­te Nati­on lässt sich nicht aus­rei­ßen und auf­lö­sen und ein in die Nati­on ein­ge­bet­te­ter Glau­be ist dop­pelt gegen Athe­is­mus und Nihi­lis­mus geschützt. Bei­des kon­ver­giert in der Insti­tu­ti­on der nor­ma­len Fami­lie, die für den Fort­be­stand des Vol­kes wie auch für den rech­ten Glau­ben wesent­lich ist.

So bil­det jede ortho­do­xe Natio­nal­kir­che ein fest ver­wur­zel­tes Boll­werk gegen den Ansturm des Regen­bo­gen­kults, wäh­rend dem luf­ti­gen Uni­ver­sa­lis­mus der katho­li­schen Kir­chen die Boden­stän­dig­keit fehlt, um den sata­ni­schen Mäch­ten des Regen­bo­gen­im­pe­ri­ums stand­zu­hal­ten. Im alten Streit zwi­schen Uni­ver­sa­lis­mus und Par­ti­ku­la­ris­mus haben die ortho­do­xen Kir­chen eine vor­bild­li­che Syn­the­se geschaf­fen. Die ortho­do­xen Natio­nal­kir­chen sind die Form, in der sich das Chris­ten­tum jeder Nati­on in ihrer Spra­che zeigt, sind der ganz eige­nen Weg jeder Nati­on zu Gott. Zugleich sind sie stär­ker als die katho­li­sche Kir­che mit dem Grie­chen­tum als dem Urgrund Euro­pas wie auch des Chris­ten­tums ver­bun­den. Ver­ges­sen wir nicht, dass der Aus­lö­ser des Schis­mas von 1054 n.Chr. eine Neue­rung der West­kir­che war. Die West­kir­che hat dem nizä­ni­schen Glau­bens­be­kennt­nis von 381 an der Stel­le, wo es heißt, dass der Hei­li­ge Geist aus dem Vater her­vor­geht („ex Pat­re pro­ce­dit“), die Phra­se „fili­o­que – und vom Sohn“ hin­zu­ge­fügt, um zum Aus­druck zu brin­gen, dass der Hei­li­ge Geist von Vater und Sohn glei­cher­ma­ßen aus­geht. Ohne näher auf die tri­ni­täts­theo­lo­gi­schen Impli­ka­tio­nen die­ses Streits ein­zu­ge­hen, zeigt er doch, dass die ortho­do­xe Kir­che in jedem Fall das ursprüng­li­che Bekennt­nis bewahrt hat. Und dies gilt auch für das Ritu­al und wei­te Tei­le der Tradition.

Von der Ori­en­tie­rung am Julia­ni­schen Kalen­der bis hin zur Ver­eh­rung der Iko­nen, die an die ältes­te Bil­der­ver­eh­rung anschließt, haben die ortho­do­xen Kir­chen viel Urchrist­li­ches und Urkirch­li­ches bewahrt, was in den ande­ren Kir­chen ver­lo­ren gegan­gen ist. Spe­zi­ell die Iko­nen sind in ihrer jedem his­to­ri­schen Wan­del trot­zen­den kunst­hand­werk­li­chen Repro­du­zier­bar­keit und in ihrer Zwei­di­men­sio­na­li­tät ein Fens­ter zur Ewig­keit, das inmit­ten des unbe­streit­ba­ren his­to­ri­schen Wan­dels Halt bie­tet und jede Zeit bild­lich an das erin­nert, was immer gilt.

Die Ortho­do­xie legt mehr Wert auf die Wür­de der Kir­che, betet mit mehr Ernst und Inbrunst an und ver­ehrt das Ver­eh­rungs­wür­di­ge höher. Mit einem tie­fen Sinn für den Respekt, den der Gläu­bi­ge dem Hei­lig­tum schul­det, wird in der Kir­che ein gesetz­tes und wür­de­vol­les, der Bedeu­tung des Ortes ange­mes­se­nes Ver­hal­ten erwar­tet. Der Gläu­bi­ge steht im ortho­do­xen Got­tes­dient und voll­zieht das Ritu­al durch zahl­rei­che Ver­beu­gun­gen, Bekreu­zi­gun­gen und wei­te­re Ges­ten mit, wäh­rend die Got­tes­diens­te in katho­li­schen und evan­ge­li­schen Kir­chen Thea­ter­vor­stel­lun­gen glei­chen, die das Publi­kum zumeist sit­zend ver­folgt. Das ortho­do­xe Hei­lig­tum ist so stär­ker aus der Welt her­aus­ge­ho­ben als eine katho­li­sche und erst recht eine evan­ge­li­sche Kirche.

Bezeich­nen­der­wei­se hat die ortho­do­xe Kir­che nie eine Refor­ma­ti­on als Rebel­lio­nen gegen eine von ihren Ursprün­gen abge­kom­me­ne, die Ursprün­ge nicht mehr wei­ter­rei­chen­de, son­dern ver­de­cken­de Tra­di­ti­on durch­ge­macht. Die ortho­do­xe Kir­che hat sich anders als die katho­li­sche Kir­che nie so weit von ihrem Urgrund ent­fernt, dass sie eine Refor­ma­ti­on nötig gehabt hät­te. Die ortho­do­xe Kir­che ist immer noch in Form. Die ortho­do­xe Kir­che ver­fügt über eine bis heu­te intak­te Tra­di­ti­on, die Ortho­do­xie ruht seit tau­send Jah­ren in sich.

In Deutsch­land, das seit der Über­tra­gung der römi­schen Macht auf die Fran­ken ganz in den Sog der römisch-katho­li­schen Kir­che gera­ten ist, hat sich kei­ne Ortho­do­xie ent­wi­ckelt. Ganz am Anfang der Chris­tia­ni­sie­rung Euro­pas aber dürf­ten die Ger­ma­nen ein frü­hes ortho­do­xes Chris­ten­tum gepflegt haben, wie etwa die goti­sche Wul­fi­la­bi­bel zeigt, mit der über 1000 Jah­re vor Luther bereits die Bibel in eine ger­ma­ni­sche Spra­che über­tra­gen wur­de. Gera­de die­se vor der Lati­ni­sie­rung lie­gen­de Schicht aber bie­tet einen Ansatz für eine neue deut­sche Ortho­do­xie, Anschluss an deutsch-christ­li­che Ursprün­ge zu gewin­nen. Die Ent­wick­lung einer deut­schen Lit­ur­gie kann sich mit die­sem deut­schen Urchris­ten­tum einig wis­sen. An vie­len Orten wird an die­sem Pro­jekt gear­bei­tet. Der deut­sche Geist mani­fes­tiert sich mehr und mehr in einer immer rei­fe­ren deutsch-ortho­do­xen Liturgie.

Noch aber krankt das ortho­do­xe Chris­ten­tum in Deutsch­land dar­an, in den Kir­chen der Ein­wan­de­rer als eine Aus­län­der­re­li­gi­on gepflegt zu wer­den. Deut­sche Ortho­do­xe besu­chen not­be­helfs­mä­ßig die­se Got­tes­diens­te. Es wird Zeit, eine eige­ne deut­sche Ortho­do­xie zu errich­ten. Die dar­auf gerich­te­ten Anstren­gun­gen tun Not und ver­die­nen alle För­de­rung. Denn eine deut­sche Ortho­do­xie wäre die ein­zi­ge Mög­lich­keit, das deut­sche Volk für den rech­ten Glau­ben wie­der zu gewin­nen. Die ortho­do­xe Syn­the­se aus Deutsch­tum und recht­eh­ren­dem Chris­ten­tum wür­de deut­sche Iden­ti­tät und deut­sches Chris­ten­tum erhal­ten, das eine im ande­ren grün­den und das heißt auch, die natio­na­le Iden­ti­tät, die durch den Glau­ben Begren­zung fin­det, vor Über­hö­hung bewah­ren. Allein sol­cher­art Stär­kung, die das Gegen­teil einer hoh­len Hyper­tro­phie im Extre­mis­mus ist, könn­te unse­ren Natio­nal­kom­plex hei­len. Schuld­kult und Natio­nal­ma­so­chis­mus sind nicht ratio­nal durch Befol­gung poli­ti­scher Impe­ra­ti­ve, son­dern nur mit­hil­fe der Kraft des Glau­bens über­wind­bar. Nicht am eige­nen Schopf, son­dern nur mit Got­tes Hil­fe kön­nen wir uns aus die­sem Sumpf her­aus­zie­hen. Nur noch die Ortho­do­xie kann uns retten.

 

Hans-Tho­mas Till­schnei­der, Quer­furt, der 24.12.2025

 

 

[1] https://www.dbk.de/ueber-uns/bischoefliche-kommissionen/kommission-fuer-ehe-und-familie

[2] https://www.zeit.de/gesellschaft/2025–09/katholische-kirche-bischofskonferenz-baetzing-homosexualitaet-paare-segen

[3]  https://www.dbk-shop.de/media/files_public/166bf6581adb9d49f8f6460292162a6f/DBK_1258.pdf, S. 29.

[4] https://www.domradio.de/artikel/evangelische-kirche-konkretisiert-reformvorschlaege-zu-abtreibungen

[5] https://www.ekd.de/Teufel-Basiswissen-Glauben-11270.htm

[6] https://www.domradio.de/artikel/theologe-sieht-im-teufel-vor-allem-eine-projektionsflaeche; https://www.bistum-wuerzburg.de/glaube-leben/impulse/detail/ansicht/den-teufel-als-person-gibt-es-nicht/.

[7] https://www.domradio.de/artikel/fingerspitzengefuehl-gefragt-wer-entscheidet-ob-kirchen-regenbogenflaggen-hissen

[8] https://www.bild.de/politik/inland/evangelische-kirche-streitet-um-regenbogenfahne-691218560166cd59ef99b116

[9] https://www.kath.net/news/88893.